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Rissbildung in Wänden


Allgemein lässt sich sagen, dass sich bei zementgebundenen Baustoffen wie Leichtbeton, Beton oder Mauerwerk bereits durch den Abbindevorgang Risse bilden. Die Frage, die sich dabei für einen Bauherren stellt lautet: „Welchen Schaden bedeuten die Risse an meinem Bauwerk

wirklich?“ Nachfolgend ein kleiner Überblick.


Allgemeiner Vergleich Mauerwerk / Leichtbetonwand:

Bei beiden Wandarten gibt es nur geringe Unterschiede. Der größte Unterschied liegt in der Er-

scheinungsart des auftretenden Rissbildes. Während der Riss beim Mauerwerk meistens dem

Fugenverlauf folgt und nicht sichtbar ist (da durch Putzschicht verdeckt), sind die Risse bei

Leichtbetonwänden durch das homogene Gefüge des Betons nicht in ihrem Verlauf gebunden. Sie

sind jedoch häufig sichtbar, da 1.) die Wände meistens nicht verputzt werden und 2.) die Ober-

flächenbehandlung nicht fachgerecht ausgeführt wird.


Warum treten Risse auf?

Es ist wichtig festzustellen, woraus die Rissbildung resultiert.

Allgemein lässt sich sagen, dass ein Riss das Resultat aus entstehenden Spannungen im Wand-element ist. Solche Spannungen können z.B. beim Schwinden durch den Hydratationsprozess und Abbinden des Zementes im Mörtel (bei Mauerwerk) oder im Beton entstehen. Außerdem können Risse durch äußere Beanspruchungen wie z.B. Belastungen durch Einzel- oder Verkehrslasten auftreten. Um Risse richtig bewerten zu können, muss zunächst die Rissbildungsursache festgestellt werden. Diese kann z.B. sein: fehlerhafter Transport oder Montage, Zwängung eines Bauteils, Umwelteinwirkungen etc... Weitere wichtige Faktoren sind: Art, Lage und Beanspruchung des Bauteils, Risslänge, Zeitpunkt der Rissbildung und setzt sich die Rissbildung fort, oder ist sie beendet.


Rissbreite:

Durch das Auftreten eines sichtbaren Risses ist noch nicht die Tatsache gegeben, dass ein realer Schaden vorliegt. Risse sind Bestandteil von baustatischen Berechnungen im Mauerwerk-, Stahl-beton- und Leichtbetonbau. Rissbreiten bis zu einer Stärke von 0,4 mm sind im Allgemeinen für Gebäude nicht weiter schädlich. Sollten sich Rissbreiten > 0,4 mm einstellen, können diese z.B. bei Außenbauteilen Einfluss auf den Korrosionsschutz, die Tragfähigkeit etc... haben. Außerdem ist der ästhetische Einfluss nicht zu unterschätzen. Solche Risse sollten nach erfolgter Ursachenforschung schnellstmöglich saniert werden.


Vermeidung von Rissen:

Eine Rissbildung lässt sich nicht vollständig vermeiden. Man kann aber durch eine optimierte Bewehrungsführung, sowie eine langfristige Austrocknung des Massivbaus und durch Beachtung und Einhaltung der Angaben zur Weiterbehandlung der Wandoberflächen die Größe und Anzahl der sichtbaren Risse erheblich einschränken.


Wann sind Risse wirklich Mängel?

Um diese Frage wirklich richtig beantworten zu können, muss zuerst geklärt werden, ob:

a) die Tragfähigkeit des betroffenen Bauteils unmittelbar oder mittelbar gefährdet ist,

b) daraus resultierend die Standfähigkeit des Gebäudes langfristig gesichert ist,

c) die Dichtigkeit des Gebäudes gewährleistet ist und/oder

d) der Riss einen optischen Mangel darstellt.




Zulässige Rissbreiten für Stahlbeton:


Umweltbedingungen: Größte zulässige Rissbreite [mm]

Trockene Luft oder Schutzüberzug: 0,40 mm

Im Freien, hohe Luftfeuchtigkeit, Boden: 0,30 mm

Bei Tausalzen: 0,18 mm

Wasserbehälter: 0,10 mm


Als Haarrisse bezeichnet man Risse, bis zu einer Breite von 0,2 mm. Diese sind für Gebäude unschädlich und können höchstens einen optischen Mangel darstellen. Bei der Beurteilung ob ein solcher vorliegt ist folgendes zu berücksichtigen:

Es ist wichtig, die Störwirkung eines Risses nicht aus nächster Nähe zu betrachten, sondern aus einer wohnüblichen, nutzungsrealen Entfernung. Auch sind die in dem jeweiligen Raum normaler-weise vorherrschenden Lichtverhältnisse und die Oberflächenstruktur der Wandoberfläche maß-gebend. Die Bedeutung und das Erscheinungsbild im Vergleich zu den übrigen Nutzfunktionen des betroffenen Bauteils sind ebenfalls zu bewerten. So ist zu beachten, dass eine Rissbildung an einer gut einsehbaren Stelle (z.B. Mitte Wand – Augenhöhe) anders zu bewerten ist als ein Riss an einer kaum einsehbaren Stelle.